yarina


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Spiegelbild

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Das Spiegelbild

Arbeit zur Ausstellung "Gefrorene Momente"


Unter Spiegelbild versteht man normalerweise eine Spiegelung, oft der eigenen Person, wenn man in den Spiegel schaut. Auch in Seen können sich Dinge wie Landschaften spiegeln.
Mein Werk "Das Spiegelbild" hat aber noch ein anderes Ziel und Thema als die reine Spiegelung.

Der Betrachter mag dieses Werk sehen und sich fragen: "Für was hat sie einen Spiegel bemalt? Da sieht man schliesslich sowieso fast nichts mehr. Und warum schaut das gemalte Mädchen so traurig?"

Ich versuche meine Gedanken und Gefühle hier kurz auszuformulieren, in der Hoffnung, dass man dann die Bedeutung dahinter verstehen kann.

Ich habe nicht eine bestimmte Person auf den Spiegel porträtiert. Ich habe mich zwar teilweise an Fotos von Kindern und mir selbst orientiert, aber es ist viel mehr eine Phantasiefigur.
Dieses Mädchen oder junge Frau soll für alle Menschen eine Art Spiegelbild darstellen. Und zwar nicht das, welches man in einem Spiegel sieht, sondern das innere. Etwa das innere Kind, das häufig nicht zu Wort kommen darf, das Bauchgefühl, der Instinkt.
Teile dieses Gesichts sind deswegen auch etwas kindlich gemalt, beispielsweise die grossen unschuldigen Augen.
Natürlich hätte ich dasselbe auf eine Leinwand malen können. Durch dass es allerdings auf einen Spiegel gemalt ist, erzeugt es einen besonderen Effekt, aber es hat es auch inhaltliche Bedeutung.

Die Haare des Mädchens haben keine festen Umrisse und kein wirkliches Ende. Die Farbe nimmt nach aussen einfach ab. Ich wollte dieses Mädchen als einen Hauch erscheinen lassen, etwa wie wenn man auf einen Spiegel haucht. Die Darstellung sollte aber diesen flüchtigen Hauch festhalten und anschaubar machen, den Hauch eines Gefühls, die Zartheit eines kleinen Kindes.

Die Augen wollte ich besonders ausdrucksstark malen, schliesslich sind die Augen bekanntlich "der Spiegel zur Seele".

Wenn jemand diesen Spiegel sieht, dann soll er erste Blick auf das Mädchen fallen, der zweite aber auf sich selbst.
Wer sind wir, was wollen wir im Leben und sollen wir es zulassen, so unglücklich wie dieses Mädchen zu sein?
Das Mädchen soll Mitleid im Betrachter auslösen, was im Endeffekt ihm selber gilt.
Der Mensch soll wissen, wenn er ungerecht behandelt wurde oder wenn ihm als Kind schlimme Sachen widerfahren sind. Als Kinder waren wir alle hilflos und mussten mit vielen unangenehmen Gefühlen Bekanntschaft machen. In vielen Menschen sitzt die Trauer um die eigene Kindheit und das Mitleid bis ins Erwachsenenalter. Und viele versuchen es, zu verdrängen und weiterzuleben. Doch es ist wie eine innere Blockade.
Dieses Spiegelbild soll auf das aufmerksam machen. Man darf mit sich selbst Mitleid haben, und den reinigenden Prozess zulassen. Man muss sogar, wenn man nicht ewig vom inneren Kind, das sich bis heute ungerecht behandelt fühlt, gebremst werden will.
Mitleid kann zeitweise gesund sein, aber nicht auf Dauer. Darin versinken wollen wir nicht.
Und genau dafür ist dieses Spiegelbild gedacht: um sich den negativen Gefühlen bewusst zu werden, und sich selbst zu trösten.
Das ist wichtig, um sich selbst nicht auf seinem Lebensweg aufzuhalten.
Und das hat jeder verdient.


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