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Stilleben

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Biographisch symbolisches Stilleben

Mein Stilleben ist einerseits biographisch, andererseits symbolisch. Alle Gegenstände zeigen etwas Wichtiges von meinem Leben an. Sie sind aber auch so ausgewählt, dass sie zugleich eine allgemeine Bedeutung für die Menschheit haben und nicht im Speziellen auf mich zutreffen.

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Die Schuhe
stehen für das Erwachsen werden. Es waren meine ersten hohen Schuhe, und auch wenn die ersten Schritte etwas wacklig waren, so war es doch nur eine Gewöhnungssache. Wie vieles im Leben.
Ausserdem stehen sie mit der Brille im Zusammenhang mit dem heutigen Schönheitsideal und dafür, wie der Schein nach aussen trügen kann. Auch ein Gegensatz zu dem Teddybären. Die Schuhe für ein selbstbewusstes äusseres Auftreten und der Teddy für die Unsicherheiten in der Einsamkeit.


Der Teddybär
ist das Kindheitssymbol. Es ist direkt neben den Schuhen und Zeichen dafür, dass das Kind in uns trotz allem nicht verloren gehen sollte. Dass wir nie vergessen sollten, wer wir einmal waren, auch wenn sich vielleicht alles geändert hat.
Ausserdem steht es für mich auch für Freundschaft. Ich habe ihn vor gut einem Jahr geschenkt bekommen, als Mitbringsel aus Amerika. Ich nannte ihn nach seinem "Verschenker" in der Verkleinerungsform "Keny". Es war ein ganz besonderes Geschenk und seither ist dieser Teddy mein Tröster, der mich auch ohne Worte versteht.


Der Schnuller
bildet mit den vorherigen zwei Symbolen einen Teil des Lebensverlaufs. Er steht
für die Unschuld und Wehrlosigkeit eines Babys. Ohne Liebe ist ein Baby verloren und diese Liebe bekommt es meistens von den Eltern. Um auch meine Eltern in diesem Bild zu ehren, habe ich einen Schnuller von "bibi" genommen (bei genauem hinschauen kann man es lesen).
Denn meine Schwester und ich haben vor ein paar Jahren mit Spitznamen für unsere Eltern herumgewitzelt, weil wir "Mami" und "Papi" zu gewöhnlich fanden. Das Endergebnis war "Mimi" und "Bibi" (den Übernahmen "Pipi" wollten wir ihm nicht antun).
Sie haben mich viel gelehrt, was die Kunst des Lebens anbelangt.
Dieses ewige Dazulernen, welches der Schnuller ausdrückt, steht aber auch in Verbindung zu der Agenda und der Brille, dem schulischen lernen.


Die Brille
Sie ist ein Gegensatz zu den Schuhen, da sie früher und manchmal auch heute noch als etwas Unschönes gilt. Allerdings spielt sie auch mit der Agenda und dem Stift zusammen, mit der Schule und der Fähigkeit zu sehen.
Im Zusammenhang mit der Agenda ist sie Zeichen für das Lesen und Wissen, für Fortschritt und Verstand. Bei dem Farbstift soll sie aber für ein Hilfsmittel für all die Menschen stehen, die nicht alles von Natur aus so gut sehen. Damit sie all das bunte auf dieser Welt erkennen können, Bilder betrachten und sehen, was das Leben schön macht.
Im Gesamtzusammenhang mit den Schuhen, der Agenda und dem Farbstift, bekommt sie für mich den Charakter für die Unvollkommenheit, durch die erst etwas vollkommen werden kann.


Die Agenda
bringe ich natürlich in Verbindung mit der Schule. Mit Lernen und Planung. Wenn man aber auf das darin geschriebene achtet, kann man vielleicht erahnen, dass ich dabei auch an die Lebensschule gedacht habe, wie auch beim Schnuller. Der Unterschied ist allerdings, dass ich beim Schnuller die Erfahrungen mit der schützenden Hand der Eltern gemeint habe, hier eher den Mut, etwas alleine zu versuchen, sein eigenes Leben zu starten.

Das Geschriebene auf dieser Seite erinnert an genau diesen Tag, den 25. Oktober 2008, an den ersten Kuss mit meinem Freund Ken, der aber nicht nur deswegen ein ganz besonderer Mensch für mich ist (auf das nehme ich bei der Kerze noch Bezug).

An dieser Stelle möchte ich das Rätsel für all diese Leute lüften, die gerne in mein Bild gefasst hätten um die Seite ganz aufzuschlagen und den Text zu lesen.

I kann nit schlofa,
kann nit essa,
kann di eifach nit vergessa
Mini Gfühl fahren Achterbahn, eifach nüm normal
Hani di gfunda?
Oder du mi?
Irgendwia simmer verbunda
Und i bin glaub verliabt in di!


Der Farbstift
ist natürlich das Zeichen für Farbe. Farbe im Leben, eine einzige Illusion und doch so schön. Ich habe einen violetten Farbstift ausgewählt, weil Violett als eine geheimnisvolle, mystische Farbe gilt. Wie diese Welt (nur schon auf das Phänomen Farbe bezogen) so geheimnisvoll und interessant ist.
Und wenn etwas interessant ist, wird man neugierig.
So wie ich schon als kleines Mädchen neugierig war, was man mit Farben alles machen konnte. Ich bewunderte Leute, die gut zeichnen und malen konnten. Ich bewunderte meinen Vater, wie er ganzen Häusern ein neues Erscheinen gab, mit seinem Beruf als selbstständiger Maler.
Ich wollte es auch können. Und nun kann ich es kaum fassen, dass ich in der Schwerpunktfachklasse der Kantonsschule Chur bin, hier und jetzt die Beschreibung über mein Stilleben schreibe.
Also ist auch der Farbstift eine Verbindung von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft. Denn mit Farben kommt für mich die unendliche Weite an Möglichkeiten ein bisschen mehr zum Ausdruck, und dass ein Mensch so vieles in seinem Leben erschaffen kann. Auch wenn seine Werke vielleicht nicht in die Geschichte eingeht, so war es doch auf dieser Erde und ein Teil von ihr.
Alles Grosse beginnt im Kleinen. Und auch der bekannteste Künstler hatte ein erstes Mal den Pinsel in der Hand.


Die Kerze
drückt Tod, Trauer, Glaube und Hoffnung aus, ist aber auch Zeichen für das Weiterleben. Dabei denke ich speziell an den 26. Oktober 2007 zurück, als ein damals für mich nur vom Sehen her bekannter Junge den Weg in den Himmel bereits mit seinen 13 Jahren antreten wollte. Vielleicht ist er nun dort, vielleicht ist er wiedergeboren.

Seit diesem Schuljahr 2007 ging ich mit seinem grossen Bruder Ken zur Schule. Ich versuchte ein halbes Jahr ihn zum Erzählen zu bringen, über sich, seinen Bruder, das Vergangene. Ich wollte ihm das zeigen, was in meinem Bild der Farbstift ausdrückt.
Doch er wollte nicht. Weil er einfach kein Vertrauen mehr zu uns Mitmenschen hatte. Weil ihm so oft nicht zugehört wurde, hatte er aufgeben.
Doch ich wusste, wenn er nicht reden würde, ginge er ganz zu Grunde. Und hätte den Farbstift nie in der Hand gehabt.
Durch den Tod seines Bruders, meiner unermüdlichen Hoffnung und meinem Durchhaltevermögen entwickelte sich zaghaft eine Freundschaft, die nicht war wie jede andere.
Fast ein Jahr nach diesem Vorfall besuchte ich mit Ken das Grab seines kleinen Bruders. Wir sassen noch eine Weile beim Friedhof. Und plötzlich passierte das, was ich mir schon so lange gewünscht hatte: Ken erzählte, und zwar von allem, was ihn wirklich bewegte.
Alles, was er nie vorher jemandem erzählt hatte.
Und er lachte wieder! Von diesem Tag an wusste ich, dass er wieder glücklich weiterleben könnte. Und dass ich noch nie eine solch besondere Freundschaft mit jemandem hatte wie mit ihm.
Und dass es den Farbstift gefunden hatte, die Farbe des Lebens.
Die Kerze soll die Besonderheit dieser Bekanntschaft zeigen. Dass solche Dinge wie Freundschaft und Liebe das Leben erhellen.
Auch das ist eine Gemeinsamkeit mit dem Farbstift. Die Freundschaft ist etwas, das zwischen zwei Menschen entsteht. Vergleichsweise mit der ganzen Weltbevölkerung sind zwei Menschen nicht viel. Doch was wäre diese Welt ohne Freundschaft? Ohne die ganzen Freundschaften, die "nur" zwischen zwei Menschen entstehen?
Und was wäre sie ohne Farbe?

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Zum Schluss, da alle Gegenstände erklärt sind, sollten vielleicht noch ein paar zusammenhängende Dinge der Komposition gesagt werden.

Dieses Stilleben bildet ein kleines Abbild von meinem unstillen Leben.
Vom Schnuller im unteren Teil des Bildes bahnt sich der Weg mit Kreativität, wachsender Belesenheit sowie dem schulischen Lernen und den Lebenserfahrungen zu dem Teddybären, der Kindheit. Dieser ist die Verbindung zu den Schuhen, dem selbständig werden, der Verantwortung und zum Durchsetzungsvermögen des eigenen Willens, da es nie irgendjemand allen recht machen kann.
Diese drei Zeichen für die verschiedenen Lebensabschnitte aller Menschen haben auch die passende Grösse. Die vielleicht noch schwache Erinnerung der Zeit, als man ein Baby war, die kurze goldene Kindheit und das Leben als Erwachsener, welches manchmal so gross erscheint wie die Schuhe auf dem Bild und manchmal so belastend wie einen Tag auf Absätzen herum zu laufen.

Dieser Wandel der Zeit hat aber noch eines im Hintergrund: Die Kerze.
Ohne sie würde man auf meinem Bild nichts sehen.
Ohne Leben und Tod würde nichts real sein.
Denn nur das was wir denken können, kann für uns real sein. Wenn es uns nicht gäbe, gäbe es kein Denken und nichts Reales. Zumindest in der Annahme, dass die Natur nicht so ein Denken wie der Mensch hat.

Somit bin ich am Ende meiner Beschreibung und hoffe, dass all die Betrachter meines Stillebens auch eine kleine Gedankenreise machen konnten.
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